{"doi":"10.1111/ddg.15093_g","title":"Letaler Verlauf einer Kryoglobulinämie Typ I","abstract":null,"journal":"JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft","year":2023,"id":640341,"datarank":0.16479184330021646,"base_score":1.0986122886681096,"endowment":1.0986122886681096,"self_citation_contribution":0.16479184330021646,"citation_network_contribution":0.0,"self_endowment_contribution":0.16479184330021646,"citer_contribution":0.0,"corpus_percentile":null,"corpus_rank":null,"citation_count":2,"citer_count":0,"citers_with_citation_signal":0,"citers_with_endowment":0,"datacite_reuse_total":0,"is_dataset":false,"is_dataset_confidence":null,"is_data_producer":false,"deposit_databanks":null,"is_oa":false,"file_count":0,"downloads":0,"has_version_chain":false,"published_date":null,"fair_score":null,"fair_percentile":null,"algorithm_id":"datarank_citation_only_1hop_v6","ranking_scope":"data_only","authors":[{"id":1664163,"name":"Susanne Ghandili","orcid":null,"position":1,"is_corresponding":false},{"id":1664165,"name":"Finn Abeck","orcid":null,"position":2,"is_corresponding":false},{"id":1664167,"name":"Julian Kött","orcid":null,"position":3,"is_corresponding":false},{"id":1664168,"name":"Nina Booken","orcid":null,"position":4,"is_corresponding":false},{"id":1664169,"name":"Stefan W. 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Bei einem dermatologischen Lebensqualitäts-Index (DLQI; 0–30 Punkte) von 22 Punkten lag eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität vor. Darüber hinaus wurden intermittierende Gelenkschmerzen berichtet. Eine Raynaud-Symptomatik sowie neurologische Symptome wurden verneint. Extern erfolgte zuvor ein Therapieversuch mittels hochdosiertem Steroidstoß (Prednisolon 100 mg entsprechend 1,3 mg pro kg Körpergewicht), welcher keine Besserung erbrachte. Klinisch zeigten sich disseminiert über den Körper verteilte schwarze Krusten unter Betonung der Akren (Abbildung 1). Teilweise umgeben von bizarr konfigurierten livid-bräunlichen Makulae (Abbildung 2). Die externen Untersuchungen ergaben bereits den Nachweis von Kryoglobulinen. In der Zusammenschau aus Urin- und Serumeiweißelektrophorese sowie Immunfixation im Serum fiel eine monoklonalen Gammopathie vom Typ IgG Lamda auf. Weitere vaskulopathie-assoziierte Erkrankungen konnten ausgeschlossen werden (ANA, ENA, ANCA, Hepatitis). Zur weiteren Abklärung der monoklonalen Gammopathie erfolgte eine Knochenmarkbiopsie. Hier zeigte sich ein Plasmazellanteil von 12% mit passender lamda-Restriktion, sodass wir in Abwesenheit der SLiM-CRAB-Kriterien ein smouldering multiples Myelom (sMM) diagnostizierten. Es erfolgte die Entnahme einer läsionalen Spindelbiopsie. Histologisch präsentierten sich passend zu einer Kryoglobulinämie entzündliche Hautveränderungen mit multifokaler Thrombose der kleinkalibrigen dermalen Gefäße (Abbildung 3). Wir initiierten eine Systemtherapie mit dem Prostaglandinanalogon Iloprost in einer täglichen Dosierung von 20 μg (über fünf Tage, Q4W) sowie eine therapeutische Antikoagulation mit dem niedermolekularen Heparin Tinzaparin (175 I.E. pro kg Körpergewicht). Zudem erfolgte eine Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen in einer Dosierung von 2 g pro kg Körpergewicht über fünf Tage verteilt (Q4W). Symptomatisch erhielt der Patient eine analgetische Therapie mit einem nicht steroidalen Antirheumatikum (NSAR). Unter dieser Therapie zeigte sich eine deutliche Besserung des Hautbefundes und der temperaturassoziierten Schmerzen. Dennoch kam es nach längerer Exposition von Temperaturen < 20°C regelmäßig zu ausgeprägten Exazerbationen. Die in Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen der Hämatoonkologie gestellte Diagnose eines sMM stellt nur in Ausnahmefällen eine Indikation zur Therapie dar. Aufgrund des insgesamt unzureichenden Therapieansprechens der Kryoglobulinämie postulierten wir, dass eine gezielte Therapie der begleitenden Plasmazellerkrankung auch zu einer Remission der Kryoglobulinämie und damit zur Symptomlinderung führen könnte. Daher entschieden wir uns gemeinsam mit den Kolleg:innen der Hämatoonkologie für die Einleitung einer plasmazell-gerichteten Therapie mit Daratumumab und Dexamethason im Sinne eines individuellen Heilversuches. Aufgrund von Incompliance wurde die Einleitung der onkologischen Therapie erheblich verzögert. Vor Einleitung des ersten Zyklus entwickelte der Patient eine Sepsis mit Multiorganversagen. Trotz Applikation der ersten beiden Gaben Daratumumab verstarb der Patient wenige Tage später in Folge eines septischen Multiorganversagens. Kryoglobuline sind spezielle Immunglobuline (Ig), welche durch klonale B-Zell-Expansion entstehen und bei einer Temperatur < 37°C reversibel präzipitieren. Hinsichtlich ihrer Klonalität lassen sich nach Brouet drei Typen unterschieden: Typ I Kryoglobuline bestehen aus monoklonalen Ig und werden mit lymphoproliferativen Erkrankungen, wie einer monoklonalen Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) oder einem multiplen Myelom (MM), assoziiert.1-3 Bei Typ II handelt es sich um eine Mischung aus mono- und polyklonalen Ig, welche oftmals mit viralen Infektionen, wie typischerweise einer Hepatitis C, in Zusammenhang gebracht werden.1, 2 Die Kryoglobuline vom Typ III setzen sich ausschließlich aus polyklonalen Ig zusammen und treten meist im Rahmen von Kollagenosen auf.1, 2 Die Kryoglobuline vom Typ II und III besitzen eine Rheumafaktoraktivität, sodass es zum Auftreten einer Immunkomplex-induzierten Vaskulitis kommt 3. Dies trifft auf die Kryoglobulinämie vom Typ I nicht zu, hier handelt es sich um eine okkludierende Vaskulopathie, welche sich durch die auftretende Präzipitation der Ig erklären lässt.3, 4 Nur in Ausnahmefällen liegt bei der Kryoglobulinämie vom Typ I eine Vaskulitis vor, in der Regel finden sich klinisch und histologisch eine okkludierende Vaskulopathie.4 Eine klinisch manifest werdende Kryoglobulinämie vom Typ I zeigt sich zumeist an der Haut mit Purpura, schmerzhaften Ulzerationen und einer Livedozeichnung.5 Seltener treten nervale und renale Schäden sowie Arthralgien auf.2, 5 Der zur Diagnosestellung notwendige Nachweis der Kryoglobuline setzt eine durchgehende Wärmekette von 37°C zwischen Blutentnahme und Zentrifugation voraus, anschließend wird bei 2 bis 6°C auf die Ausbildung von Präzipitaten getestet.5 Aufgrund der vorliegenden okkludierenden Vaskulopathie orientiert sich die Therapie der Kryoglobulinämie Typ I an der Behandlung einer mikrothrombotischen Zirkulationsstörung sowie an der zugrundeliegenden Grunderkrankungen und unterscheidet sich somit deutlich von der Therapie einer Vaskulitis. Im Hinblick auf die schmerzhaften Ulzerationen kann die Behandlung mit einer vasodilatativen Therapie mit Prostaglandinanaloga sowie mit einer antikoagulativen Therapie erfolgen. Die ursächliche Behandlung der Kryoglobulinämie Typ I richtet sich nach der Grunderkrankung, wobei die in ca. 50% der Fälle zugrundeliegende MGUS aus hämatoonkologischer Sicht keine Therapieindikation darstellt.3 Bei Vorliegen einer symptomatischen Kryoglobulinämie kann diese jedoch als monoklonale Gammopathie mit klinischer Signifikanz (MGCS) gewertet werden, sodass hier die Indikation zur Behandlungsnotwendigkeit gegeben ist. Das Ansprechen einer symptomatischen Kryoglobulinämie bei MGCS auf eine plasmazellgerichtete Therapie ist in der Literatur beschrieben.3, 4, 6 Auch die in unserem Fall vorliegende Diagnose eines sMM stellt aus rein hämatoonkologischer Sicht zumeist keine Therapieindikation dar.7 Jedoch ist die Therapie der Kryoglobulinämie komplex und führt oftmals nicht zur suffizienten Krankheitskontrolle. Wir postulieren, dass sich in dieser Konstellation die Therapieindikation der Plasmazellerkrankung aus der symptomatischen Kryoglobulinämie ergibt und sich eine kausale hämatoonkologische Behandlung positiv auf die Symptomatik der Kryoglobulinämie auswirkt. Dieser Aspekt sollte in die Therapieentscheidung einbezogen werden. Der monoklonale CD38-Antikörper Daratumumab stellt als plasmazellgerichtete Therapie eine mögliche Option zur Behandlung des sMM dar und kann in Form einer Mono- oder Kombinationstherapie zur Anwendung kommen.7 Im Rahmen einer Kombinationstherapie mit Daratumumab konnten wir in der Vergangenheit bereits erfolgreich eine Patientin mit einer Kryoglobulinämie Typ I behandeln.6 Der hier geschilderte Fall unterstreicht die Relevanz eines frühzeitigen Therapiebeginns. Die Krankheitslast einer schweren Kryoglobulinämie rechtfertigt die Behandlung der lymphoproliferativen Grunderkrankung, auch wenn diese aus hämatoonkologischer Sicht nicht behandlungsbedürftig ist. Das Vorliegen der Kryoglobulinämie stellt hier die Signifikanz der lymphoproliferativen Erkrankung und somit die Indikation zur Behandlungsnotwendigkeit dar. Open access Veröffentlichung ermöglicht und organisiert durch Projekt DEAL.","is_dataset_classified":null,"base_score":1.0986122886681096,"endowment":1.0986122886681096,"datacite_reuse_total":0,"file_count":0,"downloads":0,"views":0,"has_version_chain":false,"is_dataset":false,"is_oa":false,"pmid":"37099004","pmcid":null,"openalex_id":"https://openalex.org/W4367047976","authors":[],"funders":[],"total_grants":0,"fwci":0.3369,"citation_percentile":0.57131451,"influential_citations":0,"citation_trend":[{"year":2025,"count":2}],"oa_status":"hybrid","license":"cc-by-nc-nd","oa_locations":[{"url":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdfdirect/10.1111/ddg.15093_g","host_type":"journal"},{"url":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdfdirect/10.1111/ddg.15093_g","host_type":"publisher"},{"url":"https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1111/ddg.15093_g","host_type":"publisher"},{"url":"https://doi.org/10.1111/ddg.15093_g","host_type":"journal"},{"url":"https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37099004","host_type":"repository"}],"fields_of_study":["Chronic Lymphocytic Leukemia Research","Immunodeficiency and Autoimmune Disorders","Blood disorders and treatments"],"mesh_terms":[],"keywords":["Gynecology","Medicine"],"sdg_mappings":[{"sdg_number":0,"sdg_label":"Good health and well-being"}],"linked_datasets":[],"clinical_trials":[],"software_tools":[],"database_accessions":[],"source":"live","citation_network_status":"fetched"},"created_at":"2026-08-07T11:08:14.652102Z","pmid":null,"pmcid":null,"fwci":null,"citation_percentile":null,"influential_citations":0,"oa_status":null,"license":null,"views":0,"total_file_size_bytes":0,"version_count":0,"fair_f":null,"fair_a":null,"fair_i":null,"fair_r":null,"fair_zscore":null,"fair_rationale":null,"fair_model":null,"fair_agent_version":null,"fair_fulltext_source":null,"fair_has_llm":null,"fair_computed_at":null,"clinical_trials":[],"software_tools":[],"db_accessions":[],"linked_datasets":[],"topics":[]}